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Institut für Humangenetik

Etwa 5-15% aller Brustkrebs- bzw. Eierstockkrebserkrankungen sind erblich bedingt, d.h. sie werden durch Erbgutveränderungen (Mutationen, pathogene Genvarianten) verursacht, die mit einem hohen bis moderaten Risiko für Brust- und oder Eierstockkrebs einhergehen (sog. Familiäres bzw. Erbliches Brust- und Eierstockkrebssyndrom). Hinweise auf das Vorliegen einer erblichen Veranlagung für Brust- bzw. Eierstockkrebs sind u. a ein junges Erkrankungsalter oder mehrere Betroffene in einem Familienzweig. Durch eine molekulargenetische Analyse im Blut kann auf erbliche Mutationen getestet werden. Zunächst wird in einer Familie in der Regel eine diagnostische Testung bei einer an Brust-und/oder Eierstockkrebs erkrankten Person durchgeführt. Bei 10-50% der betroffenen Familien werden Mutationen in den Genen BRCA1, BRCA2 oder PALB2 (Hochrisikogene) nachgewiesen. Für diese Gene sind die Erfahrungen mit Früherkennungsmaßnahmen am größten.

Im Rahmen der heute zur Verfügung stehenden molekulargenetischen Untersuchungsmöglichkeiten (Massiv-parallele Sequenzierung, Next Generation Sequencing, NGS) können weitere Gene untersucht werden (sog. Brustkrebs- bzw. Eierstockkrebs-Panelanalyse). Bei weiteren 5-10% der Betroffenen finden sich Mutationen in anderen Genen (u.a. ATM, BARD1, CHEK2, RAD51C oder RAD51D), die mit einem moderat erhöhten Risiko (ca. 20-30%) für Brustkrebs einhergehen. Bei ca. 1% der Patientinnen mit Eierstockkrebs ohne Mutation in den Hochrisikogenen werden Mutationen in den Genen BRIP1, RAD51C oder RAD51D nachgewiesen. Zusätzlich gibt es selten Mutation in weiteren Genen (u.a. TP53, STK11, PTEN, CDH1 oder MMR-Gene), die mit einem erhöhten Risiko für Brust- und/oder Eierstockkrebs sowie verschiedene andere Tumorerkrankungen einhergehen. Ob und in welchem Umfang eine genetische Untersuchung sinnvoll ist, hängt von vielen Fragen ab, die individuell im Rahmen der genetischen Sprechstunde besprochen werden.

Falls eine krankheitsursächliche Mutation in einer Familie bekannt ist, kann gesunden Verwandten eine prädiktive (vorhersagende) Testung angeboten werden. Aufgrund der Tragweite solcher Befunde sollte v.a. bei Risikopersonen vor einer prädiktiven Untersuchung im Rahmen der interdisziplinären Sprechstunde neben der humangenetischen bzw. fachspezifischen ggf. auch eine psychologische Beratung stattfinden.

Im Rahmen der personalisierten Medizin werden heute u.a. auch bereits umfangreiche molekulargenetische Untersuchungen (Panelsequenzierung) am Tumorgewebe (u.a. Brust- oder Eierstockkrebsgewebe) durchgeführt. Ziel der sog. therapeutischen Testung ist es vor allem, Aussagen über die Tumorerkrankung und Möglichkeiten der Behandlung zu erhalten. Diese Analyse kann aber auch Hinweise auf ein erbliches Tumorrisikosyndrom geben. Falls eine pathogene Variante im Tumorgewebe nachgewiesen wird, wird anschließend im Rahmen einer genetischen Beratung die Bedeutung dieses Befundes für die Patientin selbst und ihre Verwandten besprochen und ggf. eine molekulargenetische Testung anhand einer Blutprobe (sog. Keimbahntestung) durchgeführt. Wenn die im Tumorgewebe vorliegende pathogene Variante auch in der Blutprobe nachgewiesen wird, liegt ein erbliches Tumorrisikosyndrom vor.

Humangenetik

Univ.-Prof. DDr.
Johannes Zschocke
Institutsdirektor

FÄ Dr.in
Ingrid Weber

Dr.in
Katalin Csanaky

Dr.in
Renate Lunzer

Dr.in
Martina Messner